WEBRADIO

Standalone-Player

WA LAUFT?

Jake La Botz

Locker kombiniert er authentischen Delta-Blues mit Rhythm'n'Blues-Grooves, frühem Rock'n'Roll, Gospel & etwas Country - La Botz spielt am Sonntag, 3. Dezember im TapTab!

... mehr

Irish Nights 2017

Das jährliche Festival für Celtic Music in der Kammgarn geht in die nächste Runde. Vom Donnerstag, 23.11. bis zum Samstag, 25.11.

... mehr

Rasa-App

Rasa App im Apple Store downloaden
Rasa App für Android downloaden
Radio Rasa
Postfach 3370
Mühlenstrasse 40
8200 Schaffhausen
T://052.624.67.76
F://052.624.67.77
Studio://052.624.67.75
E://info@rasa.ch
E://musikredaktion@rasa.ch

CHERRY GLAZERR – APOCALIPSTICK

 

AUSTRA – FUTURE POLITICS

AUSTRADomino Recordings, Januar 2017

Die Welt scheint schrecklich und droht in sich zusammenzubrechen. Austra hingegen schürt Hoffnung mit «Future Politics». So singt Katie Stelmanis von utopischen Zukunftsvisionen, zu denen wir so unbeschwert wie möglich tanzen. Stark 80ies angehaucht, kühl, kritisch und sehr verletzlich zeigt sich die Band im neuen Album. Selten entpuppen sich Protestsongs und Herzschmerz-Balladen als Ohrwurm und Dancefloor-Nummer zugleich.

 

DAVID BOWIE – NO PLAN

bowieColumbia, Januar 2017

Am 8. Januar hätte David Bowie seinen 70. Geburtstag gefeiert. Jedoch werden wir nun mit der EP «No Plan» beschenkt. Scheibe befinden sich 4 Songs, die Bowie kurz vor seinem Tod eingespielt hat. Unter anderem der Hit «Lazarus», der bereits auf «Blackstar» erschien. Die Tracks sind während den Aufnahmen des Albums entstanden und für Bowies Broadway-Musical «Lazarus» geschrieben. «Here there's no music here, I'm lost in streams of sound, Here am I nowhere now? No plan.» singt Bowie mit eher gebrechlicher Stimme, als hätte er sein Schicksal bereits akzeptiert. Bereits beim letzten Album spürten die Hörer die Auseinandersetzung des Musikers mit dem bevorstehenden Tod. Nun soll jedoch die BBC-Dokumentation «The Last Five Years» über Bowies Schaffen in New York das Gegenteil behaupten: David Bowie soll nicht bewusst gewesen sein, bald sterben zu müssen, als er die neuen Songs für «Blackstar» schrieb. Arte zeigt die Doku am 13. Januar 2017.

 

GROUPER – PARADISE VALLEY

GROUPERKranky, Dezember 2016

«Paradise Valley» kommt mit "nur" zwei Tracks und einer Spieldauer von insgesamt knapp acht Minuten. Das Solo-Projekt der Künstlerin Liz Harris ähnelt einem luziden Traum, einer Märchenreise oder ätherischem Dunst. Es ist nicht ihr erstes Album mit dem Two-Track-Prinzip. Bereits bei ihren früheren Werken ha die Musikerin in die Würze in der Kürze vertraut. Dies heisst aber keineswegs, dass Aufnahmen weniger zu bieten haben. Sie sind vielschichtiger, sorgfältig strukturiert und vorallem sehr, sehr schön anzuhören.

 

FAI BABA – SAD AND HORNY

FAIA Tree In A Fields Records, November 2016

Sind Traurigkeit und Erregung der Schlüssel zu einem fabelhaften Indie-Album? Es scheint so, wenn wir den Klängen von Fai Baba lauschen. Die sehnsüchtigen Tracks erhalten durch verzerrte Gitarren und sanft gehauchte Lyrics genau die richtige Portion an Schwermütigkeit, um einen lieblichen Blues hervorzuzaubern. «Sad And Horny» schmückt sich mit psychedelischen Höhenflügen, poppigen Melodien und Liebesschnulzen. Der Zürcher Fabian Sigmund trägt sein Herz ganz schön auf der Zunge und dies macht das Album noch ein wenig schöner und ehrlicher.

 

TOY – CLEAR SHOT

TOYHeavenly Recordings, Oktober 2016

Beinah drei Jahre liessen uns Toy auf ihr drittes Album «Clear Shot» warten. Doch auf den ersten Orgelklang packen sie uns wieder. Noch immer sind die Jungs aus Brighton sehr melodisch und auch melancholisch unterwegs. Mit verzerrten Gitarren, viel Fuzz und hypnotischer Orgel eröffnen Toy die Platte. Zum Glück (!) zeigen sie auch erneut ihre träumerische, sensible aber nicht weniger psychedelische Seite: «Are you ready for another dimension, in another time, you won't be sorry 'cause there's nothing to dread for or to quantify, so let's go». Hach, wie es da wie Honig das Herz verklebt. Bittersüsse Stücke, düstere Tracks und tiefste Melancholie – mit «Clear Shot» kann ein Rock-Liebhaber so ziemlich alle Gemütslagen verwöhnen.

 

CHRISTINE OWMAN – WHEN ON FIRE

CO
Glitterhouse, November 2016

Spätestens wenn Mark Lanegan mit seiner rauchigen Stimme ins Mikrofon haucht, geht die Musik in Flammen auf. Christine Owman gelingt es aber auch ohne Feature, mit ihren sexy Stücken mystische Welten zu kreieren. Die Instrumente variieren von Song zu Song, mal sind die Stücke klassischer, dann elektronischer. Die Drums sind bestimmend, die Stimme scharf und dennoch ruhig. Ein sehr schönes Rock-Album, das uns zum Jahresende noch begeistert.

 

BEC SANDRIDGE – IN THE FOG

BECFarmer & The Dog, November 2016

Bec Sandridges EP «In The Fog» startet mit einer bunt gemischten Pop-Party. Sandridge rächt sich mit frechen Lyrics – «Baby, baby, you're a f*cking joke. I think it's funny you feel a little cold» –verpackt diese aber in fröhliche Tanz-Tiraden. Unter den fünf Songs vesteckt sich aber auch der ein oder andere Herzschmerz-Track. Bei «I Drove All Night» wird es eng in der Brust und die Winternacht erscheint plötzlich noch ein wenig dunkler. Die Musikerin aus Glasgow scheist sich während der Entstehung der Aufnahmen wohl ziemlich im Schmerz gewühlt zu haben. Sie erzählt uns ganz viele kleine Episoden grosser Gefühle.

 

ODD COUPLE – FLÜGGE

ODDCargo Records, November 2016

Das zweite Album des Berliner Duos ODD COUPLE ist ein leichter Mix an ziemlich banalen, poppigen Songs, die jedoch nicht so leicht einzuordnen sind. Muss man auch nicht. Auf 14 Songs finden sich 13 Instrumente, verteilt auf zwei Musiker. Dies reicht uns eigentlich schon, um die beiden als kreative Chaos-Köpfe zu betiteln. Ganz schön lärmig und roh sind die Aufnahmen, die ganz nach dem Geschmack der Jungs auch ohne jegliches Sampling oder digitale Nachbearbeitung auskommen müssen. Passend ist das und sehr authentisch.

 

PUBLIC ACCESS T.V. – NEVER ENOUGH

PATV
Cinematic, September 2016

Während der Entstehung des Albums «Never Enough» haben die Jungs von Public Access T.V. bereits viel zusammen durchgestanden: Alkoholismus, der Verlust des Plattenvertrags beim Label Polydor und die Zerstörung der eigenen vier Wände durch eine Gasexplosion. Nichts hat die vier schlussendlich vom Musikschaffen abbringen lassen und umso erstaunlicher erscheint es, wenn John Eatherly «They say the kids don’t like rock ’n’ roll any more» ins Mikro jammert. Der jungen Band fehlt es allemal nicht an Gitarrenriffs und rauem Schlagzeug. «Never Enough» ist eine poppige Scheibe, die Gute Laune versprüht und einen sommerlichen Duft hinterlässt.

 

ONE SENTENCE. SUPERVISOR –TEMPORÄR MUSIK 1-13

oss
Oh, Sister Records, Oktober 2016

Die Schweizer Band One Sentence. Supervisor lässt sich von der Geschwindigkeit mitreissen, das Schlagzeug pocht und treibt den Krautpop ohne Gnade voran. Sanftmütig tanzen die Gitarren durch die Luft und streicheln die Songs mit tanzfreudigen Melodien.Ihr zweites Album «Temporär Musik 1-13» ist ein psychedelisches Pop-Album, das sich ausgelassene Tänze mit einer politischen Message verbindet. Es lädt auf eine verträumte Reise, inder jedoch die Schwere der Welt nicht in Vergessenheit gerät.

 

SOFT HAIR – SOFT HAIR

SOFTHAIRWeird World Record Co., Oktober 2016

Der Neuseeländer Connan Mockasin streichelt unsere Ohren schon seit ein paar Jahren mit seinem geschmeidigen Psych-Pop und sexy Tunes. Oft sehr verletzlich zeigt er sich, beihnah engelsgleich pflegt er zu performen. Sein Erscheinungsbild bleibt jedoch stets unberechenbar, er arbeitet sehr verrückt und chamäleonartig – man weiss nie, was er als Nächstes ausheckt oder mit wem er collaboriert.  Sein neustes Werk und Projekt «Soft Hair» entstand zusammen mit Sam Dust, den wir von der Brit-Group Late of the Pier und LA Priest kennen. Das Album beinhaltet acht funky-weirdo Tracks in denen sich Mockasin und Dust zwischen zarter, leicht kratziger Kopfstimme und tiefen Tönen abwechseln. Sanftes Haar tragen sie beide, doch die gelbe Python scheint die beiden zart gebissen zu haben, um dem Pop eine bitterböse und berauschende Note zu verleihen.

 

D.D DUMBO – UTOPIA DEFEATED

UD
4AD, Oktober 2016

Mit groovy Beats und hüpfenden Gitarrenriffs eröffnet D.D. Dumbo mit «Walrus» sein Album «Utopia Defeated» und somit auch ein Kopfnicken und Hüftwippen, das bis zum letzten Song kaum zu stoppen ist. Vor lauter Endorphine würden man am liebsten im Videoclip zu «Satan» im Takt mitstampfen. Doch Dumbo mag's auch soft und slow, was er bei den nächsten Songs mit viel Fingerspitzengefühl Preis gibt. Mit «Brother» löst sich die ruhige Stimmung wieder, der Takt wird schneller und wir stürmen erneut auf die Tanzfläche, um uns unter dem herabrieselnden Popglitzer zu tränken.

 

CLIPPING. – SPLENDOUR & MISERY

CLIPPING.
Sub Pop Records, September 2016

«Splendour & Misery» ist das vierte Album von Clipping. und rauscht und donnert bereits beim ersten Track durch unser Trommelfell. Erst als der Hörer realisiert, wie schnell Daveed Diggs tatsächlich rappt, ist der Song bereits vorüber – Krach, Wummern und analoge Synths erklingen. Eine experimentelle und zeitgenössische Rap-Wucht, die mit poetischen Lyrics überzeugt und den perfekten Soundtrack für die Reise durchs All liefert.

 

THE LEMON TWIGS – DO HOLLYWOOD

LT4AD, Oktober 2016

Die Brüder Brian und Michael scheuen sich nicht, ihre feminine Seite zu zeigen und mit Glitter und Glam zu experimentieren. In ihrem Debut-Album «Do Hollywood» stimmen sie uns nostalgisch mit Tunes à la Beach Boys, Marc Bolan und Lou Reed. Doch 60ies und 70ies Vibes hin oder her – sie spüren den Zeitgeist genau und spielen gekonnt mit modernen Psych-Pop-Elementen und Vintage Glam-Rock. «As Long As We're Together» ist einer der schönsten Love-Songs der letzten Jahre. Da kriegt ein Rockherz schon mal Gänsehaut und wünscht sich mit seinem/seiner Liebsten zu schmusen. Ich bin mir sicher, dass die 4-köpfige Band auch live wunderbar ist und ich kann's kaum erwarten, sie zu Gesicht zu bekommen. Nach diesem fantastischen Erstling verspreche ich mir sehr viel von The Lemon Twigs.

 

CHRIS PUREKA – BACK IN THE RING

PUREKASad Rabbit Records, Oktober 2016

Bereits bei den ersten Klängen der kristallklaren Stimme von Chris Pureka ist klar, dass uns die herbstliche Melancholie eingefangen hat. Doch das ist nicht schlimm, denn in diesen Klängen wälzen wir uns liebend gern. Mit einer selbstverständlichen Verwundbarkeit schreibt die Singer-Songwriterin aus Portland berührende Songs, in denen sie uns die geheimsten Dinge ihres Lebens in Songs anvertraut. Nach fünf Jahren ist sie zurück und teilt mit ihrem sechsten Album einen weiten Einblick in ihr Leben. Packend für Menschen, die sich nach Glaubwürdigkeit sehnen.

JOSEFIN ÖHRN + THE LIBERATION – MIRAGE

MIRAGERocket Recordings, Oktober 2016

Eine sanfte Stimme, beinah engelsgleich, viel Reverb und hypnotische Jams: Josefin Öhrn + The Liberation. Die Band zaubert einen herrlich frischen Mix and Pop-Songs mit psychedelischer Note. «Wir sind uns einig darüber, dass wir uns an nicht mehr viel erinnern, was das zustande kommen dieser Songs angeht, sie aber alle unterwegs geschrieben und die meisten schon direkt fertig gestellt wurden. Einige waren zu Beginn wirklich lang, aber es war sehr befreiend sich ein wenig von den verpflichtend scheinenden Psych-Jams zu lösen. Anschließend ist uns aufgefallen, dass keiner der Songs tagsüber entstanden ist, was vielleicht der Grund für die verschwommene Erinnerung sein könnte. Vielleicht ist ›Mirage‹ ein Album darüber, abzuhauen, aber keine Ahnung zu haben, wie es weiter gehen soll – die Kraft die man daraus schöpft, komplett verloren zu sein», sagt die Band über das Album. Egal wie geplant oder spontan die Tracks entstanden sind – in «Mirage» sind wunderbare Psych-Serenaden enthalten, die einen abheben und zugleich tanzen lassen.

 

ANGEL OLSEN – MY WOMAN

ANGELJagjaguwar, September 2016

«Shut up, kiss me, hold me tight» – ganz schön selbstbewusst und bestimmt besingt uns Angel Olsen in ihrem dritten Album «My Woman». Der Titel fasst es eigentlich schon schön zusammen. Olsen ist ihre eigene Frau, weiss (meist) was sie möchte und das gibt sie uns lautstark zu verstehen. Natürlich lässt sie uns auch ihre zerbrechliche, feine Ader spüren und das ist wunderbar. Genau dies lässt unsere Häärchen bei den Zeilen «Before I opened up my heart, you learn to take it as it comes, you fall together, fall apart» im Track «Sister» zu Berge stehen. Die Songs sind mehr Pop- und Rock-orientiert, vielseitiger kombiniert und einfach auch bezaubernd schön. Wer möchte sich schon nicht verlieben und wegrennen?

 

PREOCCUPATIONS – PREOCCUPATIONS

PREOCCUPATIONSJagjaguwar, September 2016

Sie lassen es ganz schön krachen, die kanadische Post-Punk Band aus Calgary. Matt, Mike, Scott und Daniel wissen, wie man düstere Riffs und pochende Drums zusammenbastelt. Herrlich! Seit 2010 mischen sie auf dem Musikmarkt mit und wurden nach einem Festival 2014 vom Label Flemish Eye unter Vertrag genommen. Bereits beim Erstling «Viet Cong» haben uns die Jungs gepackt und scheuen sich nicht vor Veränderungen. Neuer Name, neues Album und wir sind glücklicher denn je.  Noch eingänglicher und etwas elektronischer, punkig und hart klingt das neue Album «Preoccupations». «Anxiety» klingt unverzeilich hart und rau.  «Degraded» beginnt mit einer wunderbar melodischen Synth-Flut, bevor wir uns vom Sturm erneut einholen lassen. «Memory» ist ein elfminütiges Freudenfest für Post-Punk-Lover. Der Text ist schmerzhaft, das Stück ist tiefgründig – von Anfang bis Schluss perfekt durchdacht. Jeder Ton ist stimmig und die Spannung verliert sich bis zum Schluss nicht. So düster und dennoch lieblich und froh. Der Herbst kann kommen, denn die Vorstellung zum Album im raschelnden Laub zu gehen und dem Atem beim gefrieren zuzusehen, lässt uns schwelgen.

 

WOVENHAND – START TREATMENT

STARSargent House, September 2016

Tief, dunkel und mit sphärischen Texten gespickt, wirkt das neue Album von Wovenhand fast schon angsteinflössend. Dennoch ist es sehr melodisch. David Eugene Edwards heisst das Talent, welches uns seit 2001 mit seinem eingänglichen, hartem Folk-Rock beehrt. Die Musikrichtung wird gerne auch Vintage-Folk genannt. David, Ordy, Chuck und Neil lassen es gerne krachen und dies hört man. Defintiv keine Musik für Weicheier und Softies. Der Tiefgang ist vorprogrammiert und dies hört man bereits nach den ersten paar Gitarrenriffs. Mit jedem einzelnen Instrument wirkt die Musik einnehmender. Man taucht ein eine völlig neue Dimension ein. Bestimmt ist dies auch Davids Stimme zu verdanken, welche Wovenhands Musik so speziell macht. Bei «The Hired Hand» ziehen sich die Härte der Klänge eindeutig durch das ganze Lied. «Golden Blossom» klingt dann etwas softer, dennoch sehr kraftvoll und sphärisch. Hart und unverzeihbar klingt der Song «Come Brave». Soviel Power und Dynamik kombiniert mit den richtigen Elementen hört man selten. Wieder einmal befördert einen die Musik direkt in die Wüstenstaaten der USA und lockt den letzten Cowboy aus seinem Versteck. Schusswechsel inklusive. Dynamisch, sphärisch, vielseitig: Western-Musik welche man absolut nicht verpassen darf, wenn man auf roosty Rock’n’Roll abfährt.

 

MORGAN DELT – PHASE ZERO

PHASE0Sub Pop, August 2016

Morgan Delts selbstbetiteltes Debüt war eine Scheibe an rohem, ekstatischem Psychedelic-Pop – der Neuling «Phase Zero» scheint um einiges klarer und poppiger zu sein. Der Fuzz scherbelt noch zart und die Platte ähnelt erneut einer träumerischen Reise in eine andere Welt. «Some Sunsick Day» kitzelt die Sonne am Bauch und klingt so, als wären wir durch einen Zeitstrudel zurück in die Sechziger gelangt. Die Band ist und bleibt ein süsser Tropfen Seltsamkeit. Wenn man sich mit ihr im Ohr ins Bett liegt, beginnt es sanft zu kreisen, als würde man bald schon davonfliegen…

 

GAP DREAM – THIS IS GAP DREAM

gapdreamBurger Records, Juli 2016

Gap Dreams neustes Werk ist eine Hommage an scherblige Garagen-Tunes, ausserirdische Synth-Pop-Welten und Progressive-Rock-Geschnörkel. Beim reinhören ins Album begiebt sich der Hörer auf einen Spaziergang am Meer, berauscht durch die Wellen und die Leichtigkeit des Nichtstuns. Die Melodien sind gelassener, sanfte Drums leiten durch die Stücke und werden von Gabriel Fulvimars Stimme beinah teilnahmslos begleitet. «It's been a long time since I lost control on an open road, well it's been a long time since I sold my soul for the devil's ghoul», haucht er in «Rock And Roll» als befände er sich mitten in einer Identitätskrise und würde sich selbst und seine Musik neu erfinden. Tagträumer und Weltallbummler finden mit dieser Platte den perfekten Soundtrack. 

 

G.L.O.S.S. – TRANS DAY OF REVENGE

transday

TOTAL NEGATIVITY & NERVOUS NELLY, Juni 2016

Was nach einer süssen und melodischen Girl-Punk-Scheibe ausschaut, fegt einem beim Reinhören zuallererst einmal die Ohren weg. «Trans Day Of Revenge» ist die zweite EP der Hardcore-Punk-Band G.L.O.S.S. (Girls Living Outside Society’s Shit) aus Olympia, Washington. «Killer cops aren’t crooked / they do as they’re told» – «Black lives don’t matter in the eyes of the law», brüllt Sadie ins Mikrofon. Die Band hat eindeutig viel Wut im Bauch, die sie sich in sehr emotionalen Texten aus dem Leib schreit. Play zu drücken, ist wie ein Feuer zu entfachen. Heiss, gefährlich aber auch sehr reizvoll.

 

THE JULIE RUIN – HIT RESET

HITRESET

Hardly Art, Juli 2016

«Hit Reset» ist dancy und launisch, lärmig und verspielt. Kathleen Hannas (Le Tigre) Girl-Pop-Vocals kommen rotzig daher, finden sich jedoch auch in der romantischen Ballade «Calverton» wieder («Without you I might be numb, hiding in my apartment from everyone / Without you I’d take the fifth, or be on my death bed still full of wishes / But you made me think that I could fly»). Durch die selbstbewusste und auch verletzliche Ader trifft die Band genau den Nerv der Zeit. The Julie Ruins machen frischen und frechen Pop, der den Hörer im Sturm erobert.

 

CASE/LANG/VEIRS – CASE/LANG/VEIRS

caselangveirs

 

case/lang/veirs ist das Projekt von Avant-Rock-Ikone Neko Case, Musik-Nomadin K.D. Lang und Indie-Folk-Star Laura Veirs. Langs warme Stimme erfüllt die Gruppe mit viel Soul, während Veirs für die zarte Folk-Note sorgt. Case ergänzt das Trio perfekt und lässt eine ungeheure Harmonie entstehen. Das Album ist mit fesselnden Rhytmen und berührender Melancholie geschmückt. Es ist schön zu hören, wie sich die Power-Frauen in der Mitte treffen können und sich selbst so treu bleiben. Ein wunderbares Stück Musik für Liebhaber von Countrymusik, folkigen Tunes und Cowboystiefel.
(G)

BLOOD ORANGE – FREETOWN SOUND

bloodorange

 

Dev Hynes ist schon lange als Virtuose und musikalischer Alleskönner bekannt. Wenn er nicht für sich selbst Songs schreibt, dann komponiert er für andere Künstler. «Freetown Sound» ist sein drittes Album und das bislang persönlichste und politischste. Während er uns mit saftige und sommerliche Pop-Songs beglückt, behandelt er auch Themen, die gesellschaftlich eine grosse Rolle spielen: Rasse, Religion, Geschlechter und Sexismus. Die Zahl an Kollaborateuren wächst auch dieses Mal mit BEA1991 und Kelsey Lu, es sind aber auch bekannte Gesichter wie Debbie Harry und Nelly Furtado zu hören. Unter dem Namen «Blood Orange» erschafft Hynes verschiedenste Stimmungen, Geschichten und ganz bestimmt auch Hits wie «Best To You».
(G)

AVALANCHES – WILDFLOWER

avalanches

 

Ganze 16 Jahre haben sich Avalanches Zeit genommen, um nach ihrem Debut ein zweites Album herauszubringen. Es scheint als hätte die Gruppe Australischer DJs auf der ganzen Welt Geräusche gesammelt und sorgfältig und durchdacht zusammengesetzt. Melodiöse Höhenflüge treffen auf Gesprächsfetzen und Lärm – der Hörer kann sich sowohl im Beat verlieren, wie auch in verschiedene Kulturen und Atmosphären abtauchen. Avalanches machen Musik, die leicht und verspielt ist. Süsse Disco-Beats treffen auf Hip-Hop und Indie küsst Rap. «Wildflower» ist ein ungemein spannendes und vielseitiges Werk, dessen Entdeckungsreise in einem vergnüglichen Tanz endet.
(G)

TWIN PEAKS – DOWN IN HEAVEN

twinpeaks

 

Twin Peaks ist bestimmt eine junge Band, welche den Begriff Rock'n'Roll zu verstehen vermag. Ihr Erstling «Sunken» war kratzig, sorglos und übermütig. «Wild Onion» hat viele Garage-Liebhaber aus den Socken gehauen, weil das Album noch kraftvoller und durchdachter aufgebaut war. Mit dem neusten Werk «Down In Heaven» sind die fünf Jungs ein bisschen sanfter geworden. Die Herzschmerz-Songs haben sich gehäuft, es sind viele Schmusetanz-Nummern dabei und die Songs sind garantiert poppiger. Doch genau dieser cheesy Touch gibt dem Album eine wunderbare Wärme, die Lebenslust und Sonnencrème versprüht.
(G)

GOLD PANDA – GOOD LUCK AND DO YOUR BEST

goldpanda

 

Nach dem Release von «Lucky Shiner» verbrachte der Electronic-Künstler die meiste Zeit zwischen London und Berlin, mit einigen Reisen nach Japan. Footage aus New York, Berlin, Köln, Hong Kong und Las Vegas kann man in seiner Single «Time Eater» betrachten. Seine Trips nach Japan seien eine grosse Inspiration für sein Album gewesen, verrät Derwin Schlecker gegnüber Pitchfork: «...As we got out, the Japanese taxi driver’s parting words to us as we left, were ‘good luck and do your best'.» Gold Panda schafft es erneut, Tanzmusik zu kreieren, die aber sehr künstlerisch aufgebaut ist. Es sind keine 0815-Beats vorzufinden, seine Musik ist unverkennbar und verspielt.
(G)

YAK – ALAS SALVATION

yak

Es scheppert, schreit und hallt – das Debut-Album der Newcomer YAK lässt Rock'n'Roll-Herzen höher schlagen. Bereits Oli Burslems schulterlanges Haar, die vollen Lippen und die grossen Augen erinnern an die frühen Jahre Jaggers. Wenn dann noch Steve Mackey von Pulp seine Finger bei den Aufnahmen im Spiel hat, dann sind die Rock-Fanatiker aus dem Häuschen. 5 Tracks konnten wir bereits vor der Veröffentlichung des Albums hören, welche für Liebe auf den ersten Ton gesorgt haben. Unglaubich fuzzig, laut, grell, sexy und niederschmetternd ist diese Scheibe, die gar nicht anders kann, als sich Gehör zu verschaffen.
(G)

ODD BEHOLDER – LIGHTING

oddbeholder

 

Odd Beholders Debut entstand in Amsterdam und Berlin, der Videoclip zu «Landscape Escape» wurde in Aserbaidschan gedreht und die Band in einem Luftschutzkeller in Zürich gegründet. Die Musik ist von seichten Drum-Beats und Synths geprägt und von Daniela Weinmanns zarter Stimme geküsst. Viele Gedanken kreisen und Emotionen kollidieren, die Stimmung ist ungeklärt und leicht trüb – verträumt. Man hört das Herz klopfen, will leben und lieben. «Lighting» berührt und verzaubert.
(G)

NEW TRACKS: WEEK 19

DUNE RATS – BULLSHIT

 

NO PARENTS – HEY GRANDMA

CHROMATICS – HEADLIGHT'S GLARE

STEF CHURA – SLOW MOTION

KILCHHOFER – BITTERN

LUH – LOST UNDER HEAVEN

RADIOHEAD – DAYDREAMING

HORSE LORDS – INTERVENTIONS

HLNorthern Spy Records

Horse Lords musizieren mit Gitarre, Bass, Drums, Saxophon. Es wäre zu einfach, die Band in die Rock-Schublade zu stecken. Eigentlich ist es überhaupt schwer, sie irgendwo einzuordnen. Müssen wir dies denn? Das Album erinnert seicht an die Math-Rock Anfänge von Foals, ist aber weitaus experimenteller. Die Tracklist erschafft die Vorstellung einer hypnotischen Jamsession unter verrückten Genies mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Als ob sie die Instrumente neu erfinden und Disharmonie und Harmonie aufheben würden. Das Album ist nicht immer einfach anzuhören und nichts für Menschen, die gerne Stunden im Gleichschritt steppen. Es verspricht jedoch allen Paradiesvögeln und Entdeckern einen bunten Leckerbissen.
(G)

KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD – NONAGON INFINITY

NI   ATO Records

King Gizzard & The Lizard Wizard aus Melbourne – wortwörtlich etwa König Muskelmagen und der Eidechsen-Zauberer – erfreuen alle Liebhaber des wilden Garagen-Geschrammels und psychedelischen Höhenflugs auf ein Neues mit ihrem jüngsten Meisterwerk. «Nonagon Infinity» beinhaltet eine Sammlung von 9 Tracks, die pausenlos aneinandergereiht sind. Ein Stück fliesst nahtlos über in das Nächste, bis die Nadel in der Mitte der Platte angelangt ist. Doch selbst das Ende passt haargenau zum Anfang. Nonagon Infinity eben. 

Die Aufnahmen des Albums begannen bereits 2014, als die LP «I'm In Your Mind» erschien. Die Band tüftelte also ganze zwei Jahre an der Platte, während zwei weitere Alben erschienen, um das ganze Konzept der Unendlichkeit vollends auszuarbeiten. Ob ab Band oder als Live-Konzert – die 7-Köpfige Truppe beweist der Audienz fortlaufend, dass ihnen nebst Flausen wunderbar kreative Ideen im Kopf herumschwirren und sie nicht zu stoppen sind.
(G)

KYLE CRAFT – DOLLS OF HIGHLAND

KCSub Pop Records, 2016

Kyle Craft wuchs in einem kleinen Dorf in Louisiana an den Ufern des Mississippis auf. Anstatt Football zu spielen oder die Gitarre hervorzunehmen, bevorzugte er es, Alligatoren und Klapperschlangen zu fangen. Seine Familie war nie musikalisch, in seinem Heimatort spielten nie Bands. Erst als er sich im K-Mart sein erstes Album kaufte – eine Davie Bowie Hits Compilation – stellte er sein Leben auf den Kopf. Bowie inspirierte ihn, seine bislang versteckte Passion zum Songwriting und Rock'n'Roll auszuleben. Dieses Self-Made-Talent verpasst seiner Debüt-Platte Dolls Of Highland einen wilden und ungeschliffenen Drive mit Elementen des Rock, Folk, Country und Psych – gepaart mit einer unverkennbar kratzig-heulenden Stimme à la Ty Segall. (G)

BLEACHED – WELCOME THE WORMS

BDead Oceans, 2016

Das LA-Quartett Bleached hat uns bereits mit dem ersten Album eine Platte geschenkt, welche den perfekten Soundtrack für ausgelassene Feten und halsbrecherische Abenteuer liefert. Die Grrrls behandeln keine weltbewegenden Themen – vielmehr geht es um Herzschmerz, böse Jungs und exzessive Nächte. Genau deshalb ist die Musik umso unbeschwerter, jedoch nicht weniger kraftvoll. Der melodische Punk der Band rund um die Schwestern Jennifer and Jessie Clavin hat nebst wilden Gitarrenriffs auch einen blumigen Pop-Touch. (G)

 

KONONO N°1 – KONONO N°1 MEETS BATIDA

K

Für Konono N°1 neustes Album hat sich die legendäre Truppe aus dem Kongo mit dem Portugiesen Batida aka Pedro Coquenão zusammengetan. Kaum Play gedrückt, begibt sich der Hörer auf eine turbulente Reise in Kongos und Kinshasas Vororte. Energetische Electronica mit ganz viel World Music und Avantgarde-Rock-Elementen lassen die Temperatur rasant ansteigen. Wird auch langsam Zeit, den Winterspeck durchzuschütteln und die Knochen mit feinsten Beats aus aller Welt zu ölen! (G)

 

SUNFLOWER BEAN – HUMAN CEREMONY

SBFat Possum, 2016

Die dreiköpfige Band Sunflower Bean rund um Hedi Slimanes (Yves Saint Laurent) Muse Julia Cumming spielt in ihrem ersten Debütalbum wild mit Genres. Leichte Gitarrenmelodien treffen auf dröhnenden Bass – moderner Indie-Pop zerschmilzt mit experimentellem Rock und Metal-Elementen. In Human Ceremony gewähren uns Gitarrist Nick Kivlen, Drummer Jacob Faber und Julia einen Einblick in ihre Teenagerzeit und offensichtlich auch in ihre Plattensammlung. Inspiriert von Black Sabbath, T.Rex, den Smashing Pumpkins und Sonic Youth schmettern sie uns Riff um Riff entgegen. (G)

DIIV – IS THE IS ARE

diivCaptured Tracks, 2016

 

Kurz nachdem DIIVs Track Dopamine erschien, konnte ich das Release des neuen Albums kaum erwarten. Der Titel des Tracks sagt beinah alles. DIIV erschaffen mit luftigen Gitarrenriffs Höhenflüge, in denen ich mich als Hörer liebend gerne verliere. Die Band rund um Zachary Cole Smith – Ex-Boyfriend von Sky Ferreira, Saint Laurent Model und Drogen-Skandalnudel – hat Is The Is Are mit 17 unverkennbaren Songs geschmückt. Stück um Stück überflutet mich wie eine Welle. Kräftig, schnell, aber dennoch mit einer Leichtigkeit, die mir einen sagenhaften Endorphinrausch mit einer Prise Melancholie beschert. (G)

 

FAT WHITE FAMILY – SONGS FOR OUR MOTHERS

FWFFat Possum, 2016

 

Tiefe Augenringe und Zahnlücken zieren ihre eingefallenen Gesichter. Bei Konzerten fliesst der Schweiss in Strömen. Fat White Family scheren sich nicht darum, was andere denken und leben den Rock'n'Roll in vollen Zügen.
Für einige mag die neue Platte der Fat Whites die unerfreulichste Neuerscheinung des Jahres sein – andere hingegen klatschen sich vor Euphorie in die Hände. Konsum, Gentrifizierung, Nazionalsozialismus und Kapitalismus behandeln die Briten auf ihrem Album Songs For Our Mothers. Ob blosse Provokation dahinter steckt, ist ungewiss. Klar ist, dass die neue Scheibe einen haarsträubenden Mix an Punk, Psych und Glam-Rock liefert. Mhhh! (G)

 

KNOR - DON'T GO – EINE TRANSMEDIA ERZÄHLUNG ZWISCHEN POP UND VIRTUELLER REALITÄT ZUM THEMA «FREIHEIT» 

 

knor

 

Nach der internation gefeierten Single It's Happening veröffentlicht KnoR am 16. Januar 2016 sein neues Projekt Don't Go auf dem Schweizer Label Raoul Records. Die EP wird von einem surrealen Musikvideo und einer App begleitet, die einen in die virtuelle Realität befördert. KnoR tritt als Erzähler auf uns greift nach modernen Mitteln, um seine persönliche Botschaft zum Thema Freiheit zu vermitteln.

Der Record erhält nebst den zwei origianel Tracks einen Remix des Zürcher Kollegen Canson. Der dunkle Beat des Titelsongs Don't Go zieht den Hörer in den Bann der Tanzfläche, während die verträumte Geräuschekulisse KnoRs minimalistische Lyrics in unsere Gedanken einfliessen lässt. Sein Ziel ist es, Nostalgie auszulösen und somit die Fragwürdigkeit jeder Heimat besser aufzugreifen. Dieser Ort, an dem wir uns so leicht täuschen lassen und an dem wir uns doch immer wieder verlieren.

Diese Botschaft setzt KnoR in Zusammenarbeit mit dem digitalen Künstler Mativa und dem Genfer Interaktionsdesign- Studio apelab innovativ um. Don’t Go wird zur Zufluchtsstätte der virtuellen Realität. Dank der Applikation fürs Smartphone taucht der User in ein umfangreiches Wahrnehmungserlebnis ein, wo seine Ängste vergessen gehen und er dem Einfluss von täglichen medialen Einflüssen entkommen kann.

Am Samstag, den 16. Januar könnt ihr mit allen Sinnen vor der Realität flüchten und euch mit KnoR im TapTab Musikraum auf eine visuelle, virtuelle und elektronische Reise in die Nacht begeben.

 

 

 

LA SUISSE PRIMITIVE VA – TENDENCIES IN THE CONTEMPORARY SWISS UNDERGROUND MUSIC SCENE

 

lsp1LSP Records, 2016 

 

Während zwei Jahren arbeiteten Ronny Hunger und Niklaus Reichle von La Suisse Primitive daran, das kreative Schaffen Schweizer Garagen Bands und Künstlern die sich auf verwandter Ebene bewegen, auf einem greifbaren Tonträger einzufangen. Auf einer musikalischen Reise von St.Gallen über Kreuzlingen, Luzern, Zürich, Bern, Genf und Lugano versuchten die beiden auf schwarzem Vinyl das festzuhalten, was sie als eine «striking similarity in patterns of music and ways of doing» empfinden. Diese Ähnlichkeiten, so ihre These, führen dazu, dass die involvierten Akteure der verschiedenen Städte immer wieder aufeinandertreffen und am Ende dann etwas Kohärentes, aber dennoch begrifflich schwierig Fassbares dabei rauskommt.

«La Suisse Primitive steht für jene Art von Musik, die vielfach überhört wird. Als nicht gewinn- strebender und unabhängiger Verein, präsentiert La Suisse Primitive dem Publikum Bands, die es verdienen auf der Bühne zu stehen. In St.Gallen zu Hause realisieren wir Tonträger, die wir als relevant erachten. Unser Antrieb ist es bisher ungehörte Klänge und raue musikalische Leiden- schaft hör- wie auch sichtbar zu machen.» 

Im Januar wird das Projekt Tendencies in the Contemporary Swiss Underground Music Scene im Palace in St.Gallen getauft. In einem, als fiktive Radio-Show konzipierten Abend, durch welchen Philipp Niederberger (Memphisto Produktion; Luzern) führt und in dessen Rahmen Augenwasser, Shady & The Vamp und Björn Magnusson & The New Bodies (ehemals Great Black Waters) auf der Bühne zu bestaunen sein werden. In einzelnen Texten zu den Städten Lugano, Bern, Zürich, Genf, St.Gallen, Luzern und Kreuzlingen kommen Hauptdarsteller zu Wort, die Das Schweizer Musikgeschehen während der Jahre intensiv geprägt haben und dem Zuhörer so einen Einblick in ihre Werke und das Bandgeschehen der ausgewählten Orte gewähren.

Auf der Compilation sind folgende Bands vertreten:

The Jackets (Bern), Augenwasser (St.Gallen), Fai Baba (Zürich), Mama Rosin (Genf), Shady and the Vamp (Luzern), Thee Heinz (Luzern), The Monsters (Bern), Les Chevaux Sauvages (St. Gallen), The Shit (Bern), Adieu Gary Cooper (Genf), Midnight Jerks (Kreuzlingen), The Revox (Martigny)

Daten der Release Tour:

15. Januar 2016 Horst, Kreuzlingen The Revox
22. Januar 2016 Il Casotto, Lugano Midnight Jerks
23. Januar 2016 Bongo Joe Records, Genf Fai Baba
29. Januar 2016 Palace, St.Gallen LaSuisse Primitive Radio Show Session Augenwasser, Björn Magnusson & The New Bodies, Shady & The Vamp, Batman

 

AUGENWASSER – DRONES & LOVE SONGS

 

augenwasserBongo Joe Records, 2015

 

Wer Elias Raschle bereits als Drummer der Kult-Band Roy & The Devil's Motorcycle und Sänger und Gitarrist von Mystery Park kennt, spürt schnell, dass er für die Musik lebt. Dass der St. Galler nebst wildem Rock'n'Roll-Gepolter und  Ohrensausen als Augenwasser auch ganz sanft berühren kann, hören wir bei seiner ersten Platte Drones & Love Songs.

Mit dem bittersüssen Track What's On Your Mind eröffnet Raschle Drones & Love Songs sehr folkig und bildet einen sanften Übergang zum Instrumentalstück Quiet Machines, in dem ich mich innert Sekunden verliere. Der dritte Song wiederum ist sehr psychedelisch und packt einen mit einer warmen Melancholie. Es folgen experimentelle Tracks, bluesige Stücke mit elektronischen Drums, heulenden Gitarren – untermalt von einer authentischen und warmen Stimme.

Raschle hat die ganze Scheibe selbst aufgenommen und gemixt (dies macht er beim Label HOT DOGMA RECORDS übrigens auch für viele weitere fabelhafte Bands), was dem Album genau die raue und eigene Note verleiht, die Liebhaber von Homerecordings und Untergrund-Labels zu schätzen wissen. Das Album ist ungekünstelt und vielseitig zusammengesetzt. Augenwasser ist ein verträumter Virtuose – die Zuckerwatte der Ostschweiz. (G)

 

 

 

SINNER DC – MEG CDG

 

sinner dcMental Groove Records, Januar 2016

 

Für die Komposition ihres neuen Albums MEG/CDG haben Manu Bravo und Steve Mamiein in den monumentalen internationalen Archiven der Populären Musik (Archives Internationales de Musiques Populaires / AIMP) gewühlt und sich Stücke aus den Südstaaten – registriert in 1937 und 1939 – herausgepickt. Ebenso finden sich Klänge aus Rumänien und Nigeria aus dem Jahre 1950 als Grundlage der Songs auf der Platte.

Pochen, wummern und intergalaktische Klänge – wer MEG/CDG von Sinner DC hört, verirrt sich in einem düsteren Traum, aus dem er nicht erwachen möchte. Man fühlt sich jedoch keineswegs verloren oder ängstlich, denn die Musik des Genfer Duos Sinner DC führt einen mit präzisen Beats und nebligen Melodien durch eine fabelhafte Rêverie der Electronica. (G)

Zur Kürzung der Wartezeit bis zum Release am 26. Januar 2016 – hier eine wunderbare Kostprobe:

 

 

FUZZ – FUZZ II

 

fuzz II

Als ich Wind davon bekam, dass FUZZ bald eine neue Scheibe rausbringen, freute ich mich wie ein kleines Kind. Ganz fest verlor ich mein Herz für Ty SegallCharles Moothart und Roland Cosio, als sie meine Ohren am Nox Orae verzauberten. Das Power-Trio bläst einen musikalisch weg und weiss auch, wie sie optisch entzücken. Schwarze Lippen, langes, zerzaustes Haar, weisse Gesichter und pinker Nagellack – so wie einst Bowie, mögen es die Jungs theatralisch und verrückt.

Bereits ihre erste LP FUZZ hat uns in eine Hard Rock Klanglandschaft entführt, in der uns Ty an die Wand trommelt. FUZZ II hält alles, was gemunkelt und versprochen wurde: Verzerrte Riffs, unermüdliche Drums und eine tosende Bassline. FUZZ II zeigt noch mehr Härte, ist aber dennoch keine 0815-Hard-Rock-Platte. Mit psychedelischen Melodien versüssen FUZZ die Scheibe und liefern uns damit den perfekten Soundtrack für exzessive Nächte in dunklen Bars, versiffte Road Trips und ausdauerndes Haareschütteln. (G)

 

 

MOLLY NILSSON – ZENITH

 

zenithNight School Records, 2015

Dramatisch, emotional und verträumt – Molly Nilssons sechstes Studioalbum Zenith lässt uns mit melancholischem Synthpop auf der Tanzfläche zerschmelzen.

Molly Nilsson schafft es immer wieder, mich in die süsseste Melancholie zu versetzen. Irgendwie kann ich mich nicht richtig entscheiden, ob ich dazu in meinem Bett die Kissen ganz fest zerdrücken mag, oder mich im Takt in einer dunklen Diskothek im Tanz verlieren möchte. Das Album ist beste Beweis dafür, wie grossartig Popmusik sein kann und weckt in mir einen starken Drang, all die Texte auswendig zu lernen und mit einer Haarbürste in der Hand zu trällern.

«The plans that you made / when you still had the time / I’ve saved all the things that you left behind but by now I guess I’d consider them all mine /Windows 95, is only a metaphor for what I feel inside / Although I’m older now / there’s still an emptiness that’s never letting go somehow.»

Mit Zenith flüchten wir gemeinsam mit Nilsson vor der Realität, Einsamkeit und Gesellschaftlichen Konventionen und sehnen uns nach Fröhlichkeit und Freiheit. (G)

 

 

WAND – 1000 DAYS

 

wandDrag City, 2015

 

JA, JA, JA! Das neue Album von WAND ist da und es ist guuuuut!

Und wenn ich gut mit fünf Us schreiben, dann meine ich das auch so! 1000 Days kommt nicht nur mit einem farbenfrohen Cover daher – die Jungs von WAND sorgen auch musikalisch dafür, dass sie uns die psychedelischen Bilder in den Kopf legen. Die neue Scheibe ist mit zwölf Tracks bestückt, die uns die Sonne der 70er ins Ohr strahlen, den Körper mit Garage-Rock durchrütteln und zu ruhigen Folk-Passagen schaukeln lassen. (G)

 

 

DEERHUNTER – BREAKER

 


4AD, 2015

 

Sanfte Farben, poppiger Beat und liebliche Gitarrenklänge – Deerhunters neues Musikvideo ist zum Träumen.

Ganz frisch haben die Jungs von Deerhunter ihren Clip zu Breaker veröffentlicht. Der Track lässt uns schwelgen, auf den Wolken tanzen und kitzelt uns wie warme Sonnenstrahlen auf der Haut. Cox und Pundt sind übrigens zum ersten Mal zusammen auf einer Aufnahme zu hören. Ihr neues Album Fading Frontier erscheint am 16. Oktober. (G)

 

SEXWITCH – SEXWITCH

 

sexwitchThe Echo Label Limited, 2015

 

Natasha Khan (Bat For Lashes) veröffentlicht die ersten düsteren Leckerbissen ihres neuen Projekts SEXWITCH.

2013 entstand die erste Kollaboration von Natasha Khan, TOY und Produzent Dan Carey: The Bride. Nun dürfen wir uns auf die Platte ihres gemeinsamen Projekts SEXWITCH freuen, die am 25. September erscheint. Das Album enthält sechs Coverversionen von Psych- und Folksongs der 70ies aus aller Welt:

01 Ghoroobaa Ghashangan (Iran)
02 Ha Howa Ha Howa (Morocco)
03 Helelyos (Iran)
04 Kassidat El Hakka (Morocco)
05 War In Peace (U.S.A)
06 Lam Plearn Kiew Bao (Thailand)

Bereits zwei Tracks wurden veröffentlicht und klingen ebenso spannend wie die Idee, die hinter dem Projekt steckt – unvergleichbar, sehr rhythmisch und irgendwie schön überirdisch. (G)

 

 

THE JACKETS – SHADOWS OF SOUND

 

jacketsVoodoo Rhytm Records, 2015


Holt schnell euren schwarzen Kajal hervor, klaut den eurer Schnitte oder Mutti und verpasst euch den fancy Look von Jackie Brutsche.

Nach rund 7 Jahre Bandgeschichte, 2 Studio-Alben und unzähligen Konzerten in ganz Europa schmettern uns The Jackets erneut ungezähmten Garage Punk um die Ohren und machen uns hungrig auf wilde Nächte in düsteren Bars. Die neue Scheibe «Shadows Of Sound» ist ein eigenständiges, abwechslungsreiches, punkig-wild, balladig-melancholisches und sehr tanzbares Werk, das nach Whisky und Zigarettenrauch riecht. Zertanzt eure Lederboots! (G)

 

 

NILS FRAHM – VICTORIA OST

 

Erased Tapes, 2015

Mit seinem neusten Werk «Victoria OST» hat Nils Frahm einen fabelhaften Soundtrack für den Kinofilm «Victoria» geschaffen. Der Drama-Thriller des deutschen Regisseurs Sebastian Schipper besteht aus einer einzigen 140-minütigen Kameraeinstellung und hält die turbulente Nacht fest, welche  Victoria (Laia Costa), Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuss (Max Mauff) zusammen erleben. Als die Spanierin Victoria die Jungs in einem Berliner Club kennen lernt, ahnt sie nocht nicht, auf was sie sich einlässt …

Obwohl man Nils Frahm für seine impulsiven Solo-Piano-Werke kennt, ist «Victoria OST» ist aus mehreren Instrumenten arrangiert und mit diversen Geräuschen vertont. Das Album des deutschen Produzenten Nils Frahm beginnt mit einem DJ Koze Edit von «Burn With Me», verliert sich in sanften Melodien und berührt mit seiner unruhigen Melancholie. (G)

 

 

WINTER – SUPREME BLUE DREAM

 

winterLolipop Records, 2015 

Gegensätzlicher zur Musik könnte ein Bandname wohl kaum sein. Denn wenn Winter durch die Boxen schallt, verspürt der Hörer weder Kälte noch Frost. Die lieblichen Klänge der kalifornischen Band nehmen uns mit auf eine unbeschwerte Reise ins Land der Palmen, der Eiscrème und Unbeschwertheit. Zehn Songs mit verträumten Texten füllen ihr Album «Supreme Blue Dream», mit dem das Warten auf den Sommer nur noch halb so lange dauert. (G)

 

 

DENNERCLAN – CACTUS

 

cactus
Recorded and mixed 2014 by Paolo Baglio and Paolo Pierelli in Rome

 

Cactus, so heisst das gute Stück. Und wer den Dennerclan kennt, weiss was zu erwarten ist. Schwungvolle Riffs aus der Welt der Surfer, Gangster und Wüstenbewohner. Gespickt mit schmetternden Bläsern und brummligem Bass kommt das kleine Meisterwerk daher. Kaktus: Aussen stachelig und innen erfrischend, was für die Pflanze gilt, ist auch auf dem liebevoll gestalteten Tonträger Programm. Vier Stücke die mit ihren leichten Audio-Stacheln zunächst abschrecken aber anschliessend wirklich für Erfrischung sorgen. Was will man mehr bei dieser Hitze… (Z)